Das Traumlied des Olaf Asteson
Pferdepoesie 2009


Das TRAUMLIED berichtet uns von den Erlebnissen des Olaf Asteson in den Rauhnächten, der Zeit zwischen Weihnacht- und Neujahr, bis zum 6. Januar.
Auf seiner "Traumreise" begibt er sich zwischen die Welten, zwischen Himmel und Erde, auf den Weg ins Himmelreich.

Eine alte, nordische Legende, die in neuerer Zeit wieder ausgegraben worden ist und singend weiter getragen wurde.
Interpretiert und dargestellt mit Pferden.

Schon vor mehr als tausend Jahren ist die Sage des Olav Asteson in den Tälern und Höhen Norwegens von Mund zu Ohr gegangen.
Diese orale Tradition der Sprechgesänge war dabei ein wichtiges Bindeglied für die Bevölkerung, die oft über weite Strecken verteilt in der Unwirtlichkeit des Nordens lebte.
Die Erzählungen und Fabeln erzeugten so über Generationen hinweg eine ersungene Kulturgemeinde.
Als Requiem, als Festgesang, aber auch in der Einsamkeit der langen Winterabende wurde das Lied gesungen.

Dem Traumlied vom Olav Asteson kommt über die verbindende Rolle hinaus noch eine viel grössere Bedeutung zu: die der Erzeugung und Erneuerung spiritueller Gemeinschaft.
In den mythischen Bildern von Astesons Reise und den für heutige Hörgewohnheiten ungewöhnlich poetischen Klangbildern, die scheinbar aus einer anderen Welt herüberwehen, gestaltet sich eine sensible, bewegliche, im engeren Sinne innere Welt des Sehens, die zur Beschaffenheit des Landes in denkbar scharfem Kontrast steht.

DIE HANDLUNG
Die ersten Verse des Liedes stellen die Person Olav Asteson vor und schildern die Situation, in der er sich befindet.
Dann wechselt die Melodie und nun beginnt Olav Asteson selbst, von seinen Erlbenissen zu erzählen. Während er berichtet, erlebt er noch einmal nach, wie er während seines langen Schlafes zunächst in Wolkenhöhen gerissen, in Meerestiefen geschleudert und ein Spielball der Elemente wird. In einer anderen Weise erlebt er den Gang über die Dornenheide, auf der ihm sein scharlachroter Mantel und die Fussnägel zerrissen werden. Dieses dramatische Geschehen wird von dem beruhigenden Refrain begleitet:

"Der Mond scheint helle
und weithin dehnen sich Wege."

Nach durchlittener Qual gelangt er an die Sternenstrasse und schaut in das Paradies, in welchem er ausser seiner Taufpatin niemand kennt. Die Taufpatin weisst ihm den Weg nach Broksvalin.
Broksvalin ist der Ort, an dem die Seelen bis zum Jüngsten Gericht verweilen.
Olav Asteson sieht, wie schwer die Seelen an den Taten ihres Erdenlebens zu tragen haben.
Er sieht, wie sie zittern, als der Teufel (Grutte Graubart) von der einen Seite, Michael neben Jesus Christus von der anderen Seite kommen.
In einer geistigen Vorausschau nimmt er wahr, wie die Seelen beim Jüngsten Gericht von Michal mit der Waage gewogen werden.
Die letzte dieser Strophen heisst:

"Gross stand da Sankt Michael
und wog auf seiner Waage -
wog die Sellen Christuts zu,
dass er die Sünder trage
(Refrain) In Broksvalin - dort,
dem Richthof der Seelen."

Damit ist der Traum zu Ende, doch die Traumbilder klingen noch nach und regen Olav Asteson zu einem Lobgesang an, der gewissermassen eine Schlussfolgerung des Erlebten ist.

Text: Constanze Saltzwedel